Partager l'article ! Ein Land der Wüsten, Vulkane und Lagunen: Chile, dieses Land stand bei uns unter dem Motto Natur, wobei wir aber auch einige interessante St ...
Chile, dieses Land stand bei uns unter dem Motto Natur, wobei wir aber auch einige interessante Städte besichtigt haben. Unsere Route führte uns von Santiago aus nordwärts bis zur peruanischen Grenze, immer entlang der Panamerikana mit Abzweigen in die hohen Berge.
Chile ist kein breites Land, dafür aber seeehr, seeehr lang. Das bedeutete für uns lange Busfahrten, weniger schön. Zudem ist der Ausblick nicht sehr variabel, denn im Norden herrscht die Trockenheit vor. Das bedeutet Wüste über Wüste, den Pazifik auf der einen Seite und die Anden auf der anderen Seite. Das es aber ein schönes Land ist, lest und seht ihr bald. Man muss eben von der Hauptstrasse abbiegen und wie wir das gemacht haben, beschreibe ich Euch jetzt:
Santiago und nähere Umgebung (6.Mai 2010 – 9. Mai 2010)
Hier sind wir gelandet und wir dachten zu Anfang, wir wären in Spanien. Das heißt diese Stadt und deren Einwohner kamen uns recht europäisch vor (v.a. jetzt im Nachhinein, wo wir die anderen Plätze kennen). Die Sonne schien nun auch wieder. Und auch wenn die Chilenen in Winterpelz rumliefen, wir packten die T-Shirts aus! Eingenistet haben wir uns für einige Tage in einem kleinen Hostel, in dem wir am Morgen hausgemachte Melonenmarmelade auf frischem Brot von Señora Blanca serviert bekamen. So fangen Tage gut an!
Um die Stadt kennen zu lernen, haben wir mit einer 4-stündigen Stadtführung begonnen (Freetour, der Name des Konzepts). Ja, das klingt jetzt sehr lang, aber diese war sehr frisch gestaltet und wirklich interessant. Angefangen hat es im historischen Zentrum mit der Geschichte und Politik des Landes, aber dann ging es über zur Architektur und Kunst und später in die jungen Viertel mit etlichen Cafés und Restaurants. Dabei haben wir einen kleinen Einblick in die Gaumenfreuden des Landes bekommen – Empanadas (mmh! Leckere gefüllte Teigtaschen), Pastel de Choclo (Gratin aus Hühnchen und Mais u.a.) und das berühmte Nationalgetränk Pisco Sour (dabei gibt es einen Konkurrenzkampf mit Peru; wer nun den besten Pisco Sour produziert, ist uns dabei egal!), um nur einige zu nennen. Ach ja, fast hätte ich es vergessen: ist eher was für die Herren als für uns Damen! „Café mit Beinen“, eine weitere typisch chilenische Delikatesse. Könnt Ihr Euch darunter was vorstellen? Nein? Ich mache es kurz, danach zählt nur Eure Phantasie. Also, da der Kaffee in Chile nicht gerade gut ist (Instantkaffee, bäh), haben sich die Cafébetreiber was ganz Cleveres ausgedacht. Sie lassen das heiße Getränk von Damen servieren, die sehr lange Beine haben, besser gesagt zeigen. Die Mode des Minirocks ist da großgeschrieben. Aber auch das Décolleté ist nicht ohne. Eine Steigerung existiert auch noch, denn manche Cafés haben schwarze Scheiben, so dass man das Innere nicht sehen kann. Wofür? Naja, wenn der Chef meint, es ist Zeit, dann ruft er die Oben-Ohne-Minute aus. Kein Witz, echt wahr!!! Ich nehme an, dass einige Männer an Koffein-Überdosis erkranken bei dem Angebot. Sie verbringen die meiste Zeit im Café und nicht im Büro!
Aber zurück zum Thema Stadt- und Landeskunde: wer noch tiefer in die Geschichte einsteigen möchte, dem sei auch das präkolombianische Museum zu empfehlen. Toll!
Ansonsten sind wir in den Parks herumgewandert und sogar auf einen Berg geklettert, naja ich gebe es zu mit dem Funikular
, um die Aussicht auf die Stadt und die umgebenden Anden zu genießen. Aber
aufgrund der hohen Luftverschmutzung konnten wir die Berge nur sehr verschleiert wahrnehmen. Aber macht nix. Wer wünscht sich schon Regen, um einen klaren Blick zu haben??? Sonne ist mir da
lieber, und die Anden werde ich schon noch früh genug zu Gesicht bekommen.
Eines anderen schönen Tages haben wir uns ins Abenteuer Weingutbesichtigung gestürzt. Dafür mussten wir die Stadt verlassen. Aber da wir nun
etwas gegen geplante Touren waren, haben wir die U-Bahn und den Bus vorgezogen. Mit unseren 10 Worten Spanisch war es auch gar kein großes Problem, am gewünschten Ort anzukommen (ok, manchmal
waren die Hände auch sehr hilfreich. Aber immerhin haben wir es schon durch China geschafft, da sollte es hier auch möglich sein.). Und als wir letztendlich im Dörfchen standen, wurden wir gut
bestaunt. Anscheinend verirrt sich hier kein Tourist ohne Tour hin. Das Weingut war sehr schön, der Wein etwas zu heftig für meinen Geschmack, v.a. der rote. Ach ja, wir waren bei Concha y Torro.
Aber dennoch haben wir uns für den Abend eine kleine Flasche gekauft
. Damit ging diese Station zu Ende.
Valparaiso und Umgebung (10.Mai 2010 – 12. Mai 2010)
Hier in Valparaiso stiegen wir ins eigentliche Chile ein. Keine großen restaurierten spanischen Bauten, sondern viele Hügel voller kleiner, bunter Hütten, die, wenn man etwas genauer hinschaut, fast zusammenfallen. Aber das macht den Charme dieser Stadt aus; außerdem die bunten Märkte und deren Einwohner (etwas matter im Teint).
In unserer Unterkunft haben wir von einem ausgewanderten Franzosen einige gute Tipps für die Besichtigung bekommen. So zogen wir also von Hügel zu Hügel und bestaunten die unterschiedlichsten Wandgemälde und Graffitis, ein weiteres Merkmal von Valparaiso. Als Transportmittel standen uns hier die alten Fahrstühle zur Verfügung, die einen auf die Hügel heben, sowie ein museumsreifer Trolleybus. Man kommt sich vor wie in einem alten Film.
Weiterhin haben wir uns die 20-minütig entfernt gelegene Stadt Vina del Mar angesehen. Das ist das St. Tropez Chiles. Im Sommer muss hier die Hölle los sein, v.a. an den Stränden, die in meinen Augen nicht schön sind (die Beschreibung im Reiseführer war zu geschönt für meinen Geschmack). Aber an unserem Montag war alles geschlossen – Ende der Saison. Aber wir haben uns wenigstens die Beine im Botanischen Garten vertreten, der eher einem Park glich.
Ein anderer Ausflug führte uns nach Isla Negra, dem Wohnort des bekannten Poeten Pablo Neruda. Hier konnten wir eines seiner 3 exzentrisch eingerichteten Wohnhäuser bestaunen, nachdem uns dafür in Santiago keine Zeit mehr blieb. Aber dieses hier soll eh das Beste sein. Es ist direkt am Meer gelegen, ein schöner Platz zum Schreiben, und gleicht einem Boot. Dieser Pablo war ein echter Sammler. Nichts, was er nicht gesammelt hat. Über Muscheln, Flaschen, Gläser und Pfeifen (um nur einiges zu nennen), standen auch ein Karussellpferd und eine Lokomotive herum. Seltsamer Geschmack, aber irgendwie war es reizend und sehr gemütlich.
La Serena und Umgebung (13.Mai 2010 – 16. Mai 2010)
Nach der französisch angehauchten Herberge in Valparaiso, sind wir hier nun in eine deutsche gekommen. Dieses Land muss das Paradies für Aussteiger sein.
Unser Besichtigungsziel war eigentlich das nah gelegene Elqui Tal, ein grünes, fruchtbares Fleckchen im sonst so trockenen Land. Aber das
haben wir letztendlich nicht gesehen, denn es hat nur geregnet. Ja, in der Wüste kann es auch regnen! Dabei soll es hier angeblich nur 4 Tage pro Jahr regnen. Kaum zu glauben, wir haben den Joker
gezogen und diese live miterlebt
. Auch ein Erfolg!
Die Stadt La Serena mit den hübschen, bunten Kolonialhäusern und seinen 1000 Kirchen haben wir uns trotzdem angesehen. Die Spanier haben echt gute Arbeit geleistet bei ihrer Missionierung. An jeder Ecke findet sich eine andere Kirche und alle sind sie gut besucht. Ansonsten haben wir die Zeit in unserem kleinen Kämmerchen genutzt und Reisebücher gewälzt, um die weitere Strecke vorzubereiten. Das war auch nicht schlecht – ein Tag Pause!
Ach ja, was ich Euch noch sagen wollte: Wenn es in diesem Land so richtig regnet, dann sollte man lieber nicht reisen. Wir haben den Fehler begangen und uns gesagt, Regenwetter = gutes Reisewetter. Nicht so hier! Da es keine Abflusssysteme gibt, standen die Strassen völlig unter Wasser. Busse blieben auf der Panamerikana liegen, weil sie voll Wasser liefen. Und wir, die in Copiapo den nächsten Halt einlegen wollten, konnten nicht mehr trockenen Fußes den gegenüberliegenden Bürgersteig erreichen. GoreTex, kein schlechtes Material!!! Ansonsten sind auch Holzkisten zu empfehlen, auf denen man lang balancieren kann.
Da das Chaos so groß war, ließen wir den Besuch des Nationalparks „Tres Cruzes“ auf 4000m Höhe ins Wasser fallen. Man sagte uns, die Wege
dahin sind nicht befahrbar. Wir konnten es glauben, wenn schon die Hauptstrassen so aussehen. Es war auch so eine Schnapsidee - im Winter auf 4000 m Höhe mit unserem leichten Camping-Equipment in
einer winddurchlässigen Schutzhütte zu übernachten
.
Somit buchten wir den nächsten Nachtbus, der uns weiter gen Norden nach Calama bringen sollte. Aber auch dabei verlief nicht alles nach Plan. Siehe unten…
Calama – San Pedro de Atacama (18.Mai 2010 – 22. Mai 2010)
Denn aufgrund des „Hochwassers“ ist unser geplanter Bus ausgefallen und irgendwo in der Pampa liegen geblieben. Pfff
. Aber im Vergleich zu den armen Menschen an Bord ging es uns noch relativ
gut. Wir wurden nur auf den nächsten Bus umgelegt, der dann kein Direktbus mehr war, sondern uns um 5 Uhr morgens aus dem Schlaf entließ. Der Anschlußbus hatte dann auch noch Verspätung. Sehr
müde, aber immerhin, kamen wir an unserem Zielpunkt, Calama, an.
Dieser Ort ist nicht unbedingt zur Besichtigung zu empfehlen und diente uns eigentlich auch nur als Zwischenstop, um einen Mietwagen für
unsere nächste Etappe San Pedro de Atacama zu finden (dort ist immer alles ausgebucht und wahnsinnig teuer – clevere Idee von David, hier zu halten
). Nach der Tour durch die Mietwagenfirmen und voller Verzweiflung, da es kein Allrad-Auto mehr gab, entschieden wir uns für ein
normales Auto, auch wenn alle meinten, dass man damit nicht weit komme. Aber wir waren ja Südafrika-erfahren und wussten, was man auf Schotterstrassen alles anstellen konnte. Am Abend konnten wir
schon einmal die Nachttemperaturen der Wüste und Höhe fühlen. Nicht schön
. Deshalb gingen wir zeitig ins warme Bett.
Am nächsten Tag, vor Abfahrt nach San Pedro, statteten wir noch der größten überirdischen Kupfermine einen Besuch ab. David wollte unbedingt wissen, was und wie es in so einem Krater vor sich geht. Bei einer 2-stündigen Tour bekamen wir einige Informationen zur Größe der Mine, Ausbeute, genutzten Maschinen usw. Für mich nur böhmische Dörfer; nur eines, ALLES WAR RIESIG. Aber interessant war es trotzdem, auch für mich Technikprofessor.
Danach Großeinkauf für die nächsten Tage und Abfahrt nach San Pedro de Atacama, ein kleines typisches Dörfchen in der Salzwüste auf ca. 2500 m Höhe, was allerdings durch den Tourismus enorm wächst. Typisch sind die kleinen, alten Häuschen im Adobe-Stil, d.h. Lehmhütten mit Strohdächern, die weiß bepinselt waren – eben eine Region mit sehr viel Sonne! Am Rande von San Pedro haben wir unser Nachtlager in einem kleinen, gemütlichen Hostel gefunden. Damit ging dieser lange Tag zu Ende.
Die nächsten Tage haben wir uns in die ausgiebige Erkundung dieser Region gestürzt. Endlich wieder unabhängig im eigenen Auto. Allrad war letztendlich nicht nötig, denn alle Schotterstrassen waren gut ausgebaut.
Angefangen haben wir mit einer kurzen Wanderung durch den Ort und einer nahe gelegenen prähistorischen Siedlungsanlage der Atacameños, Aldea de Tulor, und einer Festungsanlage, Pukara de Quitor. Geschichte muß sein! Aber wichtiger war uns natürlich die umgebende Natur.
San Pedro ist an einem riesigen trockenen Salzsee gelegen, der allerdings nicht weiß erscheint, da Vulkanstaub darüber verstreut liegt.
Demzufolge gibt es ziemlich viele Lagunen, die herrlich türkis-blau sind und wo es auch Flamingos zu sehen gibt. Am Rande dieser haben wir ziemlich viel Zeit verbracht und jede Menge Fotos
geschossen. Aber diese Lagunen sind nicht das Einzigste, was es hier zu bestaunen gibt. Schon auf der Fahrt hierher sind uns die hohen Vulkane aufgefallen. Mit schönem blauen Himmel und Sonne
sehen auch grau-braune Zuckerhüte schön aus (aber man hofft, dass sie nicht jetzt ausbrechen). Zwei dieser Vulkane und ihren blauen Lagunen, auf über 4000 m Höhe gelegen, haben wir einen Besuch
abgestattet. Es geht noch ohne Sauerstoffmaske
, aber
beim Spaziergang haben wir die Höhe doch gut zu spüren bekommen. Die Puste geht einem ziemlich schnell aus, auch wenn man nicht rennt und man nur ca. 20 Höhenmeter zu überwinden hat. Da müssen
sich die roten Blutkörperchen wohl noch vermehren. Aber Gelegenheit dazu bekommen sie noch genug im Laufe unserer nächsten Reisestationen.
Und dann das berühmt berüchtigte Valley de la Luna! Wow. Mehr gibt es dabei eigentlich nicht zu sagen. Ich weiß nicht, wie es auf dem Mond ausschaut, aber wahrscheinlich genauso wie hier, denn sonst würde dieses Tal nicht so heißen. Gell? Hier wächst echt gar nichts, nur Sand und Steine liegen rum. Aber schön ist es trotzdem. Somit haben wir uns auch eine Düne hinaufgequält, hach die Höhe, um dem Sonnenuntergang zu folgen.
Den richtigen Mond und die Sterne des Südhimmels haben wir eines Nachts mit einem französischen Astronomen bestaunt, der sich das Leben hier schön macht (2 Stunden Arbeit pro Tag und trotzdem reich werden, das könnte ein Ziel sein!). Die Erläuterungen waren super, allerdings ist davon bei mir nicht viel hängen geblieben. Ich habe eher die Sicht durch die Teleskope genossen und Mond und Sterne und Sternennebel usw. bestaunt und versucht, dabei nicht zu erfrieren. Naja, das Southern Cross könnte ich Euch trotzdem noch zeigen und das ganz ohne Hilfe!
Zum Abschluss haben wir auch noch einen Geysir besucht, El Tatio, allerdings diesmal mit Tour, denn alle sagten uns, der wäre per Auto nicht erreichbar. Und wenn man es nicht besser weiß, dann glaubt man es eben. Aber ach, wären wir nur nicht darauf reingefallen. Die Strassen waren ok, denn auch die Reiseveranstalter fuhren mit normalen Kleinbussen da hoch (4300 m). Das einzig Schwierige war, man muss 4 Uhr früh los, um rechtzeitig, d.h. 6 Uhr, oben anzukommen. Warum so früh? Der Geysir braucht die Sonne zum Spucken, d.h. wenn das Eis am Morgen durch die Sonne schmilzt, dann strömt das Wasser im hohen Bogen raus. Diesen Anblick haben wir aber mit unseren „Super Guide“ verpasst. Denn er war der Meinung, dass an dieser Stelle zu viele Menschen waren, so dass wir an einer anderen Stelle unsere Besichtigung starteten. Blödmann! Wir haben nicht dafür gezahlt, um wenig Menschen um uns zu haben (das war uns klar, dass das halbe Dorf da sein wird), sondern die Fontäne! Somit war mal wieder eine geplante Tour ein Reinfall. Und damit ging die schöne Zeit hier in der Salzwüste zu Ende.
Iquique (23.Mai 2010 – 25. Mai 2010)
In Iquique, der chilenischen Sommerurlaubsmetropole aufgrund seiner Strände und der ehemaligen Salpeterminen-Hochburg (sogar für die DDR wurde
produziert
), haben wir eigentlich nur einen Halt eingelegt, um die lange Busfahrt in den äußersten Norden zu
unterbrechen. Aber auch dabei haben wir nicht die Beine hochgelegt. Wir haben uns wieder ein Auto gemietet (in Chile keine Schwierigkeit), denn sonst kommt man nicht sehr weit, und uns, wie
logisch, eine verlassene Salpetermine und das dazu gehörige Wohnörtchen angesehen. Es steht noch so, wie es 1960 verlassen wurde. Also kein hintrappiertes Museum, sondern Realität, eine echte
Geisterstadt.
Weitere Kurzziele waren eine Oase und ein großes Gemälde auf den trockenen Wüstenbergen. Häh Gemälde? Naja, es ist wohl eher ein in Stein gemeißelter 86 m großer Geoglyph, der auf ca. 900 AC geschätzt wird. Warum und was er besagen soll, weiß man aber nicht. Nun ist es eine Attraktion. Und er bleibt bestehen, da er vom Regen nicht weggewaschen werden kann, denn Regen gibt es hier nicht. Und wie das in der Wüste ist, gibt es auch Oasen, hübsch grüne Oasen. Von einem Schlag auf den anderen kommt man aus der öden Wüste in eine Blüten- und Fruchtoase. Da gehen einem die Augen fast über, voller Farben… Damit war das ein guter Abschluss für diese sonst sehr sandige Etappe.
Arica und Lauca National Park (26.Mai 2010 – 1. Juni 2010)
Der nächste Bus brachte uns dann nach Arica. Dort haben wir bei Ross, einem Kiwi, gehaust. Ihn hat Chile schon immer angezogen, v.a. weil es im Winter nicht so kalt und nass ist, wie in Neuseeland. Bei ihm haben wir uns am Morgen den Magen mit Müsli voll geschlagen (Quinoa, mmh, sehr zu empfehlen; das muss ich zu Hause auf jeden Fall suchen) und danach eine Menge Empfehlungen für den Lauca National Park auf den Weg mitbekommen.
Mit unserem gemieteten Allrad Jeep, yeah wie im Wilden Westen, haben wir uns wieder einige Meter in die Höhe gewagt. Um nicht an Kopfschmerzen zu sterben, haben wir wieder unser Hausmittel herausgeholt, viiieeel Flüssigkeit. Mit ca. 6 Liter pro Tag und vielen Pippipausen sind wir aber gut durch dieses Abenteuer „von 0 auf 3500 m“ gekommen.
Unser Basislager haben wir in Putre, einem kleinen Bergdörfchen mit großem Potential für den Tourismus aufgeschlagen. In unserer Herberge hatten wir sogar ein hauseigenes Lamababy, Patrizio, der neugierig jedem gefolgt ist, die Nase zu jeder Tür rein gesteckt hat und beim Frühstück neben uns saß. So schöööön kuschelig!
Angefangen haben wir unsere Besichtigungstour der Region mit einem Thermalbad auf 4100 m Höhe, erwärmt durch die Vulkane. Mit schöner Aussicht relaxten wir im 30°C warmen Pool bei recht frischen Außentemperaturen. Diese Hitze gleich nach dem Aufstieg hat uns aber die Kraft am ersten Abend genommen, so dass wir sehr zeitig in die Federn fielen. Dafür gut erholt am nächsten Morgen ging es los in die Natur. Über kleine, einsame Bergdörfchen, eine Wanderung in den Bofedals (so nennt sich die Flora hier, d.h. kleine robuste Grasbüschel, die Nahrungsgrundlage der Lamas), die uns wieder einmal die Puste genommen hat und kleinen Lagunen fuhren wir bis zum Chungara See nahe der bolivianischen Grenze, auf 4600 m. Und immer waren die schönen Vulkane dabei.
Für die Rückfahrt, von Putre nach Arica auf Meereshöhe, entschieden wir uns für einen anderen Loop übers verlassene Hinterland und Schotterstrassen. Der erste Teil der Abfahrt hat auch gut geklappt. Unterwegs haben wir alten Dörfchen mit hübschen Kirchen einen Abstecher abgestattet. Aber dann haben wir unseren Abzweig nicht gefunden. Ausschilderungen gibt es hier nicht. Hier verirren sich eh nur Einheimische hin und die kennen den Weg. Somit haben wir etliche Kilometer mehr auf der Schotterstrasse zurücklegen müssen und immer gehofft, dass das Benzin im Tank auch ausreichend ist, um uns wieder zurück nach Arica zu bringen. Wir hatten Glück, aber ein anderes Auto dafür nicht. Unterwegs sind wir auf einen Mann und seinen Vater, schon ein sehr alter Opi, gestoßen, deren Auto in dieser Pampa liegen geblieben war. Mit unserem Spanischvokabular nahmen wir an zu verstehen, dass es an der Batterie lag, und als der Sohn anfing, diese auszubauen, waren wir uns 100 %-ig sicher. Wir baten unsere Hilfe an, sie zurück nach Arica zu bringen. Aber das lehnten sie ab, zumindest halb. Denn der Sohn wollte mit uns zurückkehren, um eine neue Batterie zu besorgen, wobei der Opi die Nacht in dieser Einöde und eisigen Temperaturen im Auto verbringen sollte. Autowache muss sein! Das zu akzeptieren ist uns ziemlich schwer gefallen, aber was sollten wir tun. Erstens konnten wir uns auf Spanisch nicht wirklich verständigen und zweitens schien das in so einer verlassenen Gegend normal zu sein. Immerhin halfen wir!
Glücklich zurück in der Zivilisation haben wir den Abend sehr ruhig verbracht und uns auf ein neues Land, nämlich Peru, vorbereitet.
Somit ging unser Chile-Abenteuer nach 4 Wochen zu Ende. Dieses Land hält in den Bergen echte Perlen versteckt. Nachdem wir nun den Norden kennen, bleibt uns noch der Süden, den wir in den kommenden Jahren sicher auch noch bereisen werden. Diese Naturwunder sind echt zu empfehlen, v.a. bevor der große Touristenansturm beginnt.
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